Wie lässt sich der Chemiepark Knapsack klimaneutral mit Energie versorgen? Dazu laufen hier derzeit gleich zwei konkrete Projekte. Das eine ist die „CO₂-Modellregion“. Hier prüft das Institut DBI im Auftrag von YNCORIS als Ideengeber und insgesamt neun weiteren Sponsoren die Möglichkeiten und Voraussetzungen für eine Infrastruktur, mit der CO₂ aus dem Kölner Westen bis zum Port of Antwerp/Bruges in Belgien gebracht und dann gespeichert werden könnte.
In einem weiteren Projekt namens „EEW CaReS Knapsack“ untersuchen EEW mit YNCORIS und anderen Partnern, ob sich 300.000 Tonnen CO₂ pro Jahr direkt aus den Rauchgasströmen der Abfallverbrennungsanlage im Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) abscheiden und über eine neu zu schaffende Pipeline-Infrastruktur abtransportieren ließen. „Wenn wir den CO₂-Fußabdruck unserer Energieversorgung im Chemiepark Knapsack reduzieren wollen, ist die Abscheidung, Speicherung oder Nutzung von Kohlendioxid (CCS/CCU) ein wesentlicher Baustein“, sagt Sebastian Trunk aus der Standortentwicklung von YNCORIS.
Exkursion ins EBKW
Beide Themen sind so interessant, dass sie Mitte März Teil eines Fachforums des DBI waren, bei dem sich Expertinnen und Experten über Themen, wie CO₂ als Rohstoff, aktuelle Entwicklungen bei CCS/CCU und rechtliche Rahmenbedingungen, austauschten. „Solche Fachforen bilden einen wichtigen akademischen Unterbau, oft wünschen sich die Beteiligten darüber hinaus Einblicke in die praktische Umsetzung“, so Sebastian. „Deshalb hatte der Veranstalter DBI bei uns eine Exkursion samt kurzem Vortrag angefragt – einem Wunsch, dem wir gern nachgekommen sind.“ Er führte daher zunächst gemeinsam mit Sarah Endres, der stellvertretenden Leiterin Unternehmensentwicklung EEW, in die beiden Themen ein, bevor die Teilnehmer*innen Gelegenheit hatten, sich das EBKW vor Ort genauer anzuschauen.
Das DBI
Das DBI ist eines von drei wissenschaftlichen Instituten des DGVW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches). Der Verein legt Regeln für die Gas-, Wasser- und perspektivisch auch für CO₂-Netze fest. Ein guter Kontakt hilft daher, frühzeitig von Entwicklungen zu erfahren und sie eventuell sogar mitgestalten zu können. Das DBI und YNCORIS arbeiten darüber hinaus schon seit vielen Jahren bei diversen Themen rund um Erdgas und Wasserstoff zusammen.
CCS steht für die englische Bezeichnung Carbon Capture and Storage, also Kohlendioxid-Abscheidung und -Speicherung. CCU sind die Kürzel für Carbon Capture and Utilization, also Kohlendioxid-Abscheidung und -Nutzung. Die Idee hinter beiden Technologien ist es, CO₂-Emissionen einzufangen, bevor sie in die Atmosphäre gelangen.