Yvonne, Kalle – ihr beiden übernehmt seit kurzem neue Rollen im Betriebsrat. Ist jetzt Aufbruchstimmung angesagt?
Kalle: Der „alte“ Betriebsrat in seiner bisherigen Konstellation hat meiner Meinung nach einen wirklich guten Job gemacht. Aber selbstverständlich setzt ein neues Team auch neue Schwerpunkte, das muss so sein. Wir wollen zum Beispiel möglichst früh ein Gefühl dafür entwickeln, welche Themen die Belegschaft und die anderen Betriebsratsmitglieder gerade umtreibt. Deshalb kommunizieren wir offen innerhalb des Betriebsrats und den Gremien und haben einen Jour fixe mit dem Personalbereich eingeführt.
Yvonne: Wie wir in Zukunft arbeiten wollen, legen wir aber gemeinsam mit allen Betriebsratsmitgliedern in einer Klausurtagung Ende Juni fest. Hier geht es auch darum auszuloten, wer welche Themenbereiche besetzen möchte. Betriebsrat zu sein ist ja kein Ausbildungsberuf, und viele Mitglieder unseres Teams sind noch vergleichsweise kurz dabei.
Wie versteht ihr eure Rolle als Betriebsräte?
Kalle: Wir sind die Stimme der Belegschaft in Richtung Geschäftsleiter. Dabei ist es auch unsere Aufgabe den Finger in die Wunde zu legen und zu sagen, was Fakt ist.
Yvonne: Wir wollen auf der einen Seite für die Mitarbeitenden da sein, aber auch dazu beitragen, dass es YNCORIS wirtschaftlich gut geht. Deshalb sehen wir uns als eine Art Gewissen für beide Seiten.
Was zeichnet eure Zusammenarbeit aus?
Yvonne: Wir verstehen uns und können uns daher sehr gut ergänzen.
Kalle: Dass wir beide so gut zusammenarbeiten war für mich ein wichtiger Grund, meine Funktion als Teamleiter Betriebsbetreuung Chemiepark aufzugeben und mich komplett der Betriebsratsarbeit zu widmen.
Als freigestelltes Betriebsratsmitglied hat man viel Zeit. Das ist die gängige Meinung.
Kalle: Vielleicht ist das in manchen Unternehmen so, bei YNCORIS aber nicht. Unsere Terminkalender sind voll, denn wir sind alle mit viel Herzblut dabei. Wir machen das gerne, weil wir Themen voranbringen möchten.
Welche Themen wollt ihr voranbringen?
Yvonne: Wir widmen uns unter anderem der Überstundenregelung, wollen helfen, die Bindung der Mitarbeitenden an YNCORIS zu stärken und deren Belastungen zu reduzieren. Außerdem möchten wir näher an die externen Standorte rücken und beim Thema Künstliche Intelligenz vor die Lage kommen. Insgesamt wollen wir uns breiter aufstellen und noch nahbarer werden. Die Kommunikation zu laufenden Themen ist jedoch oft etwas schwierig.
Wieso?
Kalle: Viele Themen hängen voneinander ab und beeinflussen die Bereiche im Unternehmen unterschiedlich. Wenn wir Wasserstandsmeldungen während laufender Verhandlungen geben würden, die dann später doch nicht eintreten, würde das nur für Unruhe bei den Kolleg*innen sorgen.
Wie ist die Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung?
Yvonne: Die ist durchweg konstruktiv und das ist gut so. Klar streiten wir auch, aber im Grunde wollen wir alle die YNCORIS nach vorne bringen. Wir sind dabei näher an der Belegschaft, die Geschäftsleitung näher an den Zahlen. Beides ist wichtig.
Was wünscht ihr euch?
Kalle: Dass sich noch mehr Menschen im Betriebsrat beteiligen. Viele haben Angst, dass ihnen die Arbeit im Betriebsrat die Karriere verbauen könnte. Doch ich bin das beste Beispiel, dass sich deswegen bei YNCORIS niemand Sorgen machen muss. Auch bei der Wahlbeteiligung geht noch mehr. Sie lag zuletzt bei rund 70 Prozent.
Yvonne: Außerdem möchten wir, dass alle Mitarbeitenden wissen: Wer ein Problem, eine Idee oder eine Frage hat, kann uns und das gesamte Betriebsratsgremium jederzeit ansprechen. Dafür sind wir da.

Yvonne Backes ist neue Betriebsratsvorsitzende von YNCORIS. Backes arbeitet seit 2006 im Betriebsrat, ab 2010 war sie stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der YNCORIS, unterbrochen von zwei Jahren Elternzeit.
Als neuer stellvertretender Betriebsratsvorsitzender wurde Karl-Heinz Hofmeister gewählt. Er ist seit 1998 im Betriebsrat aktiv und nun erstmals für diese Arbeit freigestellt. Josef Matysiak ergänzt wie bisher als drittes freigestelltes Mitglied das Team.