Soziales Engagement im Blut

Kühle Getränke, leckeres Essen und eine andere Umgebung sollten auch 2020 wieder für eine unbeschwerte und lockere Atmosphäre sorgen. Doch leider musste YNCORIS das alljährliche Mitarbeiterfest, das eigentlich immer ein Höhepunkt des Jahres ist, Corona-bedingt absagen. Eine Situation, die in diesem Pandemie-Jahr leider überall an der Tagesordnung ist und auch bei vielen Vereinen für zahlreiche Absagen und entsprechend „klamme“ Kassen gesorgt hat. ​​

„ALWAYS AT YOUR SITE“

bedeutet auch, in Krisenzeiten zueinander zu stehen und Verantwortung zu übernehmen. Deshalb hat die YNCORIS Geschäftsleitung beschlossen mit einem Teil des eingesparten Fest-Budgets zehn Vereine mit einem Zuschuss von jeweils 500 Euro zu unterstützen. Voraussetzung: Es mussten Vereine sein, die von YNCORIS Mitarbeitern mit deren ehrenamtlichem Engagement begleitet werden. Diese konnten sich im Sommer unter Angabe ihrer Tätigkeit für den entsprechenden Verein bewerben und dabei auch gleich beschreiben, wozu das Geld genutzt werden soll. Über die Vergabe entschied dann das Losverfahren. Gesagt, getan: Die zehn glücklichen Mitarbeiter stehen mittlerweile fest und werden in dieser und den kommenden KNAPSACKSPIEGEL Ausgaben vorgestellt. Einer von ihnen ist Yvonne Backes: Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei YNCORIS engagiert sich zusammen mit ihrem Mann seit mehreren Jahren ehrenamtlich in der KiTa „Die Frechen“ in ihrem Wohnort Frechen und ist dort 2. Vorstandsvorsitzende. 

Ihre beiden Kinder, eine fünfjährige Tochter und ein dreijähriger Sohn, gehen beide in die KiTa, die bereits seit mehr als 20 Jahren existiert und von Beginn an eine Elterninitiative war. Das heißt, die Eltern organisieren alles selbst von der Inneneinrichtung über die Außenanlagen bis hin zu verschiedenen AGs, die in die Instandhaltung der KiTa mit eingebunden sind – wie das Einkaufsteam, das Hausmeisterteam oder das Gartenteam.

Auch wenn eine solche Organisationsform eine besondere Herausforderung ist, hat es bisher immer ganz gut geklappt, wie Backes betont: „Wir sind eine relativ kleine KiTa mit rund 30 Kindern in zwei Gruppen: Die kleinere Gruppe, die ‚Wühlmäuse‘ sind Kinder unter drei Jahren, die große Gruppe sind die ‚Frechdachse‘ ab drei Jahren bis zum Schuleintritt. Das heißt, es gibt immer ein Kommen und Gehen und das Ganze kann nur funktionieren, wenn alle Eltern tatkräftig mitmachen.“ Betreut werden die 30 „Zwerge“ neben der KiTa-Leitung, die ab und zu mit einspringt, von vier fest angestellten Vollzeit-Erzieherinnen, einer in Teilzeit und einer Auszubildenden sowie einer eigenen Köchin. „Die Kinder lieben sie und alle Eltern wollen die Rezepte“, schmunzelt Backes. 

ERZIEHERIN GESUCHT

Im Vorstand kümmert sich Backes darum, Gelder zu bekommen um die Außenanlagen in Schuss zu halten, um die Personalbeschaffung und die Einteilung der Eltern in die AGs. „Alles, was so anfällt“, sagt Backes und ergänzt: „Es macht jede Menge Spaß, auch wenn es viel Arbeit ist, bisweilen mit Vorstandssitzungen bis in den tiefen Abend hinein. Aber man macht das ja auch für die eigenen Kinder. Und es ist heutzutage auch nicht leicht einen guten KiTa-Platz zu bekommen.“ Im Moment drückt der Schuh bei der zweiten Erzieherin für die Drei- bis Sechsjährigen, die „Die Frechen“ leider bald verlassen wird: „Wir suchen gerade eine Nachfolgerin. Aber es darf auch gerne ein Erzieher sein. Vielleicht ergibt sich ja etwas über den KNAPSACKSPIEGEL.“

MATSCHECKE FÜR DIE KLEINEN

So wie Yvonne Backes es auch einfach mal versucht hat, als sie von der geplanten Verlosung bei YNCORIS gelesen hat – und sie hatte Glück: „Eine Finanzspritze kann man immer gebrauchen“, freut sich die YNCORIS-Betriebsrätin und hat den Zuschuss bereits investiert: „Wir haben in den vergangenen Monaten angefangen, das Außengelände‚aufzuhübschen‘ – unter anderem mussten einige Holz-Klettergerüste erneuert werden. Und für die ganz Kleinen gibt es jetzt einen großen Sandkasten mit Matschecke. Dort ist das Geld direkt eingeflossen. Man glaubt nicht, wie teuer so etwas ist, weil es auch an so viele behördliche Auflagen gebunden ist.“ 

Yvonne Backes‘ sozial geprägtes Engagement in der KiTa und das entschlossene Anpacken kommt nicht von ungefähr, es liegt ihr wohl so ein bisschen im Blut. Schließlich begann ihre Betriebsratstätigkeit bei YNCORIS genau genommen schon 1997, als sie, damals noch bei InfraServ Knapsack, ihre Ausbildung absolvierte und gleich von Beginn an in der Jugend- und Auszubildenden-Vertretung – sozusagen dem kleinen Betriebsrat – engagiert war 2006 wurde sie erstmals ins Betriebsratsgremium gewählt und nach ihrer erneuten Wahl im Jahr 2010 für ihre Betriebsratstätigkeit freigestellt. 

Inzwischen ist sie stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und ähnlich wie in der KiTa hat sie auch für die Kollegen im Betrieb immer ein offenes Ohr. Dabei muss sie dann auch schon mal vermitteln zwischen Kollegen oder Kollegen und ihren Vorgesetzten und natürlich Betriebsvereinbarungen aushandeln mit der Geschäftsleitung:„Ich hatte schon immer das Bestreben vermittelnd zu arbeiten und mich dabei entsprechend zu engagieren.“

Eines ist Backes noch besonders wichtig: In den schwierigen Zeiten der Corona-Krise, an der alle Mitarbeiter schwer zu tragen haben, möchte sie abschließend noch eine Lanze brechen für diejenigen, die es besonders hart getroffen hat: „Viele Kollegen können während der Krise im Home-Office arbeiten und so auch private Engpässe in der Kinderbetreuung überwinden. Aber es gibt auch viele Handwerker-Kollegen, die das nicht können und die gleichen Probleme haben. Oder die Kollegen, die ganz alleine zu Hause sind und dann auch irgendwann einen Rappel kriegen, weil sie den persönlichen Kontakt verlieren. All diese Kollegen müssen wir auch im Blick haben – und ihnen danken, dass sie diese Zeiten so gut meistern. Es ist wichtig, dass sich diese Gruppe nicht alleingelassen fühlt.“