In vielen Gebäuden bringen 20, 30 oder sogar 40 Jahre alte Aufzüge Personen oder Güter von einem Stockwerk ins nächste. Nach der aktuellen Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) entsprechen solch alte „Schätzchen“ aber grundsätzlich nicht mehr dem Stand der Technik. Doch das muss kein Problem sein. Schließlich lassen sich Aufzüge mit neuer Technik nachrüsten oder durch organisatorische Maßnahmen sicher machen. Aber was genau müssen Sie tun, damit Sie auch beim Betrieb alter Aufzüge auf der sicheren Seite sind?

Die aktuellen Anforderungen

In den letzten Jahren haben sich die Anforderungen an Aufzugsanlagen geändert. So ist seit der Novellierung der BetrSichV 2016 beispielweise ein Notfallplan im Aufzug vorgeschrieben, bewegte Teile müssen Sie als Betreiber besser schützen. Eine Gegensprechanlage wird bis 31.12.2020 Pflicht, damit Benutzer mit jemanden an zentraler Stelle kommunizieren können, sollte der Aufzug steckenbleiben.

Gefährdungsbeurteilung ist Pflicht

Sollten Sie einen Aufzug betreiben oder ein Haus mit Aufzug vermieten, kommen Sie unweigerlich mit einer guten alten Bekannten in Berührung: der Gefährdungsbeurteilung. Sie benötigen sie, sobald Mitarbeiter, Besucher, Mieter oder Wartungskräfte den Aufzug benutzen – also im Grunde immer. Der Gesetzgeber geht zwar davon aus, dass Benutzer eines Personenaufzugs auch ohne Schulung wissen, was zu tun ist, für Wartungskräfte sollten Sie jedoch zusätzliche Informationen vorhalten.
Als Betreiber sind Sie also in der Verantwortung, Können Sie keine Gefährdungsbeurteilung vorweisen, handeln Sie grob fahrlässig. Sie sollten sie außerdem wiederkehrend - idealerweise alle fünf Jahre - prüfen und aktualisieren. Denn Unfälle mit einem Aufzug sind meldepflichtig – genauso wie entdeckte Mängel. Mit einer sorgfältigen Dokumentation weisen Sie dagegen nach, dass Sie Ihren Betreiberpflichten jederzeit nachkommen.

Nutzen Sie einen Außenaufzug, so fällt er übrigens erst ab einer Fahrhöhe von drei Metern unter die BetrSichV.

Lastenaufzüge – wenn Masse bewegt wird

Lastenaufzüge unterscheiden sich häufig nicht nur in ihrer Funktion deutlich von Personenaufzügen. Manche verfügen über offene Wände, einige sind befahrbar, andere werden mit gefährlichen Stoffen beladen. Deshalb müssen Sie Benutzer hier gesondert unterweisen.

Achten Sie unter anderem darauf, dass Ihre Aufzüge wirklich nur bis Maximallast beladen werden. Das gilt gerade für ältere Lastenaufzüge. Während moderne Körbe anzeigen, dass ein Aufzug die maximale Zuladung überschritten hat, ist das bei alten Modellen nicht unbedingt der Fall. Machen Sie Ihre Mitarbeiter deshalb auf mögliche Gefahren aufmerksam und regeln Sie organisatorisch, was erlaubt ist und was nicht.

In Lastenaufzüge werden Massen bewegt – und die können selbst bei horizontaler Bewegung verrutschen. Schützen Sie daher Bedienelemente und sorgen Sie dafür, dass schwere Lasten auch im Aufzug gegen Verrutschen gesichert sind. Am besten fahren solche Güter allein, damit Personen nicht von einer Last verletzt werden können. Gleiches gilt für giftige Stoffe: Auch sie sollten Sie immer allein im Aufzug transportieren.

Ihr Aufzug ist nicht mehr State oft the Art? Das lässt sich ändern.

Offiziell sind alle Aufzüge, deren Baujahr vor 2012 liegt, zunächst einmal nicht mehr auf dem heutigen Stand der Technik. Doch das bedeutet nicht, dass Sie nicht auch alte Aufzüge fit für den sicheren Betrieb machen können. Viele technische Funktionen, wie die Elektrik oder eine Gegensprechanlage, können Sie relativ einfach nachrüsten. Schwieriger wird es bei der Niveauregulierung von befahrbaren Lastenaufzügen. Hier müssen sie durch organisatorische Maßnahmen abhelfen. So können Sie zum Beispiel festlegen, für welche Lasten Ihr betagter Aufzug noch geeignet ist und dies gut sichtbar im Aufzug anzeigen.

Auch im Brandfall sind Aufzüge heute anders eingestellt. Moderne Modelle fahren dann ins Erdgeschoss, öffnen die Türen automatisch und schließen sie nicht wieder. Das ist bei alten Aufzügen häufig nicht möglich. Hier müssen Sie Benutzer unterweisen und darauf hinweisen, dass sie Aufzüge im Brandfall nicht benutzen dürfen.

Denken Sie auch vorab darüber nach, wie Sie Nutzer im Notfall aus einem steckengebliebenen Aufzug befreien können. Dazu muss auch das Notfallpersonal wissen, wie sich Ihr Modell bedienen lässt. Solche Informationen sind daher am besten im Triebwerksraum aufgehoben.

Wartungsarbeiten

Sicher lassen Sie Ihre Aufzüge regelmäßig, am besten monatlich, von einem Fachunternehmen auf ihre Funktion prüfen. Auch für Ihre Wartungsfirma benötigen Sie - gerade bei alten Aufzügen - ein Rettungskonzept: Wie sichern Sie, dass bei Wartungsarbeiten auf dem Fahrkorb der Aufzug nicht plötzlich losfahren kann? Wie sorgen Sie in der Grube unter der Fahrkabine dafür, dass nichts die Atemluft beeinträchtigt und das Wartungspersonal dort sicher ein und aussteigen kann? Sprechen Sie dazu im Zweifel den Hersteller an, Ihr Wartungsunternehmen oder spezialisierte Dienstleister.

TÜV alle 2 Jahre

Neben den kurzen Wartungsintervallen muss auch eine zugelassene Überwachungsstelle, wie TÜV oder Dekra Ihre Aufzugsanlage alle zwei Jahre prüfen. Dabei untersuchen die Prüfer nicht nur Funktion und Zustand von Notbremssystemen, Drahtseilen, Umlaufscheiben und Verschleißmaterial, sondern nehmen auch Ihre Gefährdungsbeurteilung unter die Lupe, um sicherzustellen, dass die von Ihnen getroffenen Maßnahmen wirksam sind.

Als Nutzer eines Aufzugs können Sie auf einem Aufkleber ablesen, wann die nächste Prüfung ansteht – und damit gleichzeitig nachvollziehen, ob er regelmäßig geprüft wird. Finden Sie einen solchen Aufkleber nicht, ist vielleicht die Treppe die bessere Wahl.