Der vergangene Sommer hatte seinen Namen wirklich verdient. Allerdings sorgte die große Hitze bei vielen für Kreislaufprobleme. Auch bei uns im Betrieb ist deshalb ein Mitarbeiter umgekippt. Da in unseren technischen Bereichen jeder einen Erste-Hilfe-Kurs besucht hat, war sofort ein Kollege zur Stelle, um den Mitarbeiter zu versorgen, bis unser Werksarzt eintraf. Bei vielen Unternehmen ist die Lage nicht so entspannt. Und das muss auch gar nicht sein. Aber wissen Sie genau, ob bei Ihnen tatsächlich auf jedem Flur und in jedem Betrieb ausreichend Mitarbeiter ausgebildet sind?

Die Vorschrift

Nach Vorschrift 1, § 26 DGUV, müssen Unternehmer dafür sorgen, dass bei 2 bis zu 20 anwesenden Versicherten mindestens ein Ersthelfer zur Verfügung steht. Bei mehr als 20 Anwesenden richtet sich die Anzahl nach der Branche. In Handwerk und Industrie sind es beispielsweise 10 Prozent. Bei Ihrer Planung sollten Sie zudem berücksichtigen, dass Sie diesen Wert selbst dann einhalten, wenn Kollegen im Schichtdienst arbeiten, krank oder im Urlaub sind – oder wenn es den Ersthelfer selbst erwischen sollte.

Kostenlos, kürzer und praxisnäher

Seit 2016 hat sich in der Ersten Hilfe einiges getan. Die Kurse sind moderner und enthalten einen deutlich größeren Praxisanteil. Während Sie früher im zweitägigen Grundkurs hauptsächlich Theorie büffeln mussten, gehören heute Übungen von Anfang an dazu. Außerdem wurde der Grundkurs auf einen Tag verkürzt – die Vorschrift spricht von neun Unterrichtseinheiten.
Spätestens alle zwei Jahre müssen sich Ihre Ersthelfer einen weiteren Tag fortbilden, um diese Aufgabe weiterhin ausfüllen zu können. Die Verordnung verlangt außerdem, dass Sie Ihre Ersthelfer offiziell benennen, schließlich sollen alle Kollegen wissen, wen sie im Fall des Falles ansprechen können. Der Erste-Hilfe-Kurs, an dem Fahranfänger teilnehmen, bevor sie ihre Führerscheinprüfung ablegen, ist zwar ähnlich aufgebaut, reicht aber im Betrieb nicht aus. Sie dürfen aber Mitarbeiter als Ersthelfer benennen, die zum Beispiel bei der DLRG oder der der freiwilligen Feuerwehr einen entsprechenden Kurs absolviert haben.

Da die Lehrgangsgebühren von den Berufsgenossenschaften erstattet werden, wenn Sie einen zertifizierten Anbieter, wie das Deutsche Rote Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund, die Malteser oder Johanniter, auswählen, fallen für Sie als Arbeitgeber keine Kosten für den Kurs an. Die Trainings laufen das ganze Jahr durch. Schauen Sie einfach mal auf der Internetseite der Anbieter vorbei. Manche Organisationen sind außerdem bereit, bei Ihren Ersthelfer-Ausbildungen besondere betriebliche Erfordernisse, wie tiefkalte Bereiche oder Gefahrenstoffe, aufzunehmen. Sollten Sie viele Ersthelfer gleichzeitig schulen wollen, führen einige Anbieter die Schulungen auch direkt in Ihrem Betrieb durch.

Jede Hilfe zählt

Ersthelfer sind in den meisten Unternehmen knapp bemessen. Denn viele fürchten, sie könnten bei der ersten Hilfe etwas falsch machen. Diese Angst ist unbegründet, denn jeder kann etwas tun, um die Zeit bis zur Ankunft der professionellen Rettungskräfte sinnvoll zu überbrücken. In den meisten Fällen ist es gar nicht nötig, jemanden zu beatmen oder eine Herzmassage durchzuführen.
Stattdessen brauchen die Betroffenen häufig einfach jemanden, der sich um sie kümmert, den Arzt ruft und dafür sorgt, dass Wunden nicht weiter bluten oder der Kreislauf nicht weiter absackt. Apropos Herzmassage: Einige Berufsgenossenschaften, wie die BG Bau, fördern zudem die Anschaffung von automatisierten externen Defibrillatoren (AED). Diese Geräte stoppen durch Elektroschocks das Herzkammerflimmern. Ein Phänomen, an dem jedes Jahr mehr als 100.000 Menschen sterben – das sind mehr als doppelt so viel wie bei Verkehrsunfällen. Auch bei solchen Geräten kann man nichts falsch machen, denn das Gerät leitet den Nutzer visuell und sprachlich durch den gesamten Ablauf und löst nicht aus, wenn es nicht richtig platziert wurde.

Je mehr Ersthelfer, desto besser

Eine Ausbildung zum betrieblichen Ersthelfer kann jeder gebrauchen – nicht nur für den Betrieb, sondern auch im Privatleben. Schließlich ist das Unfallrisiko im Haushalt zehnmal größer als in Betrieben. Dann ist es gut, wenn man nicht mehr auf das eingestaubte Wissen aus der Fahrschulzeit zurückgreifen muss.
Mitarbeiter, die Ersthelfer werden möchten, sollten sich als erstes im Betrieb melden, damit der Arbeitgeber sie zur Ausbildung anmelden kann. Jeder kann sich aber auch selbst um einen Kurs kümmern. Damit ihn eine BG übernimmt, benötigen Teilnehmer jedoch eine schriftliche Bestätigung des Arbeitgebers, dass sie in Ihrem Unternehmen als betrieblicher Ersthelfer eingesetzt werden sollen.

Erste Hilfe – so geht’s:

Ganz gleich ob Ersthelfer oder nicht: Das sollten Sie tun, wenn Sie an eine Unfallstelle kommen:

• Verschaffen Sie sich einen Überblick, sichern Sie die Unfallstelle ab und sorgen Sie zuerst für Ihren eigenen Schutz.

• Rufen Sie den Notarzt (Telefonnummer 112) und orientieren Sie sich an seinen Anweisungen.

• Beginnen Sie – falls nötig – mit den lebensrettenden Sofortmaßnahmen, wie Wiederbelebung und stabile Seitenlage.

• Prüfen Sie bei mehreren Opfern, wer Ihre Hilfe am nötigsten braucht. Hier gilt: Den ruhigsten Opfern geht es meist am schlechtesten.

• Atmet der Betroffene und ist ansprechbar, können Sie weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen ergreifen. Versorgen Sie mögliche Wunden, spülen Sie Verätzungen mit klarem Wasser oder kühlen Sie Verbrennungen.

• Reden Sie mit dem Betroffenen, damit er merkt, dass Sie da sind und sich kümmern.